Call for Papers Essaywettbewerb „Trash|Culture“Die Fachschaftsinitiative Kulturwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin veranstaltet einen Essaywettbewerb zum Thema "Trash|Culture". Teilnehmen können interessierte Studierende aller Fachrichtungen. Die Beiträge von zwischen 12.000 und 15.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen) Länge sollten bis 1. November 2009 als pdf oder rtf an essaytrash09@gmail.com geschickt werden. (Persönliche Daten bitte nur in der Begleit-E-Mail, nicht jedoch in der Datei selber vermerken.) Eine Jury aus Wissenschaftlern verschiedener Einrichtungen kürt die Gewinner, auf die neben dem Spaß am Thema und am Schreiben eine Veröffentlichung und wertvolle Sachpreise warten. "You know your culture from your trash", singt Peter Gabriel 1992 und umschreibt damit vielleicht sogar ironisch eine Grenze zwischen legitimer und illegitimer Kultur, die zunehmend von Erosion betroffen ist. "Trash", einstmals ein pejorativer Kampfbegriff zur sozialen und kulturellen Distinktion, hat längst selbst ein komplexes Zeichensystem etabliert, das vormalige Gräben zwischen hoher und niederer Kultur nicht nur überwindet, sondern von vornherein übergeht, und zudem einen diesbezüglich literaten Leser voraussetzt, der Codes und Motive souverän zu deuten versteht. Die Beispiele sind Legion: Der Akademiker, der sich am Abend mit Deutschland auf die Suche nach dem Superstar begibt, ist längst nicht mehr ein Kuriosum. Primitivistische Zeichentrickserien wie "South Park" und "Family Guy" etablieren sich mit Vehemenz als skrupellose Kommentare zum politischen und sozio-kulturellen Zeitgeschehen. Die postmoderne Sichtbarmachung eines vormals in Bahnhofskinos und zwielichtige Videotheken abgeschobenen, marginalisierten Kinos in den Arbeiten von Quentin Tarantino und Tim Burton entsteht hochbudgetiert und erweist sich ohne weiteres als kritik- und festivalwürdig. Der Splatterfilm, einstmals Angelegenheit eines ökonomisch randständigen Independentkinos, entsteht heute inmitten der Hollywoodindustrie, während der Pornofilm Allianzen mit dem Kunst- und Autorenfilm eingeht. Heutige Auseinandersetzungen zwischen Batman und dem Joker bedürfen eines logistischen und massenmedialen Aufwands, der jegliche Verwechslung mit früheren solcher Scharmützel in Fernsehserien der 60er Jahre auch bei oberflächlicher Betrachtung vollkommen ausschließt. Bands wie "Tokio Hotel" greifen zumindest im äußeren Auftreten Aspekte der als geschmacksunsicher verpönten Punk- und "Hair Metal"-Ästhetik auf und positionieren sich damit im Kern des Mainstreams, setzen sich zugleich aber massiven Anfeindungen aus. Sozial ausgegrenzte Existenzen erreichen im Big-Brother-Container Superstar-Status, während im Internet mit MySpace die Renaissance der schlecht designten persönlichen Website zum Massensport wird und White-Trash-Milieus über YouTube eine schlagende mediale Repräsentation erlangen. Zugleich werden ganze Regionen wie Marzahn, Hellersdorf oder Brandenburg zum Synonym einer "trashigen" Jogginghosen-Alltagskultur. Diese und viele weitere Phänomene geben Anlass zur Reflexion. Wie wandelt sich "Trash" und dessen Begriff im Verhältnis zur "legitimen" Kultur und deren Idealbild von sich selbst? Entstehen neue Lücken - oder sind solche shiftings als egalitäre Maßnahme zu verstehen? Wo wäre heute der "wahre" Trash in Abgrenzung zum "aufgehobenen" Trash zu suchen? Welche Grenzen bestehen oder bestanden nie? Wo liegen Möglichkeiten, Subversionen, Grenzen und Gefahren einer affirmativen oder kritischen Trash-Kultur? Wir freuen uns auf kreative, spannende, erkenntnisreiche Arbeiten! Es winken folgende Preise: DVDs der Filme "Blood Tea and Red String", "Die Reise ins Glück" und "The Saddest Music in the World" Bücher: "Marlon Brando", "Spike Lee" und "Martin Scorsese" sowie Abos und Heftpakete der Filmzeitschrift Splatting Image.
Jury: Der Essaywettbewerb wird organisiert von: Plakatgestaltung: Markus Dittrich |
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| Institut für Kulturwissenschaft | Humboldt-Universität zu Berlin | Ehemaliges Seminar für Ästhetik | letzte Änderung: 2010-01-12 π | |